Neuseelands Tongariro Alpine Crossing

Das Tongariro Alpine Crossing gilt nicht umsonst als eine der spektakulärsten Tageswanderungen der Welt. Auf rund 19 Kilometern führt der Weg durch eine dramatische Vulkanlandschaft, die extrem surreal wirkt.

Die Wanderung beginnt meist am Mangatepopo Carpark (Westseite) und endet am Ketetahi Carpark (Ostseite). Da die Strecke nur in eine Richtung geht, ist ein Shuttle-Service fast Pflicht. Viele Unterkünfte in National Park Village oder Turangi bieten morgens Transfers an. Wer früh startet – ideal zwischen 6 und 7 Uhr – entgeht den größten Menschenmassen und den kräftigen Winden, die am Nachmittag über die Hochplateaus fegen. Wir haben uns für die frühe Tour entschieden und uns vom National Park Village mit einem Bus abholen lassen.

Im Mangatepopo Valley geht’s erstmal ganz gemütlich los. Wir laufen durch ein breites Tal mit Lavagestein und ein bisschen Moos, noch ganz in der Kühle des Morgens. Anfangs ziehen wir die Jacke noch enger, aber mit jedem Schritt wird’s wärmer. Spätestens als die Sonne hinter den Bergen hervorkommt, landen die ersten Schichten schon im Rucksack.


Dann kommt der Devil’s Staircase. Der Weg zieht steil nach oben, Schritt für Schritt, und wir merken schnell, dass es hier richtig in die Beine geht. Aber kaum heben wir den Kopf, sehen wir den Mount Ngauruhoe vor uns – besser bekannt als „Mount Doom“. Der Anblick ist so spektakulär, dass man die Anstrengung fast vergisst.

Oben angekommen öffnet sich plötzlich eine riesige, flache Ebene: der South Crater. Alles wirkt weit und karg, fast wie auf einem anderen Planeten. Wir laufen über dunklen Sand, umgeben von Vulkanen, und genießen es, nach dem Aufstieg mal kurz durchzuatmen.

Der nächste Abschnitt bringt uns zum höchsten Punkt der Wanderung: dem Red Crater. Hier riecht es nach Schwefel, der Boden dampft an manchen Stellen und die Felsen leuchten in allen Rottönen. Der Blick von oben ist einfach irre – weit über die Berge, Täler und Seen hinweg. Der Weg ist steil und rutschig, aber der Ausblick macht jede Mühe wett.

Direkt nach dem Red Crater tauchen die berühmten Emerald Lakes vor uns auf – smaragdgrün und türkis, als hätte jemand die Farben übertrieben nachbearbeitet. Wir können kaum glauben, wie intensiv sie leuchten. Ein Stück weiter liegt der Blue Lake, ruhig und geheimnisvoll. Hier setzen wir uns hin, snacken etwas und saugen die Landschaft einfach in uns auf.

Ketetahi Descent: Von hier an geht’s nur noch bergab – und das merken wir bald in den Knien. Der Abstieg zieht sich, aber unterwegs wechseln die Landschaften ständig: erst noch karge Hänge, dann langsam wieder grünere Pflanzen, bis wir schließlich durch Buschland und Wald laufen. Es fühlt sich fast so an, als hätten wir an einem Tag mehrere Welten durchwandert.

Du bist hier nie allein. Gerade in der Hauptsaison von November bis April teilen sich täglich mehrere hundert Wanderer den Weg. Trotzdem fühlt es sich nicht überfüllt an – die Weite der Landschaft sorgt dafür, dass sich die Gruppen verteilen. Man begegnet Gleichgesinnten aus aller Welt, und manchmal ergibt sich ein kurzes Gespräch oder gemeinsames Staunen über die nächste Aussicht.

Die Wanderung selbst ist eine Mischung aus Anstrengung und Staunen: steile Anstiege, rutschige Abgänge über Vulkansand, aber immer wieder diese Momente, in denen man stehen bleibt und denkt: „Das hier ist eine andere Welt.“

  • Früh starten: Je früher, desto besser – für Ruhe, Lichtstimmung und Sicherheit.
  • Ausrüstung: Feste Wanderschuhe, mehrere Schichten Kleidung, Regenjacke und Sonnenschutz. Das Wetter wechselt hier blitzschnell.
  • Proviant: Es gibt unterwegs keine Hütten oder Verkaufsstellen (nur Dixies). Genug Wasser und Snacks mitnehmen!
  • Fitness: Die 19,4 km mit 800 Höhenmetern sind fordernd. Plane 6–8 Stunden Gehzeit.
  • Sicherheit: Checke die Wettervorhersage, denn bei Sturm oder Nebel kann es gefährlich werden.
  • Shuttle buchen: Unbedingt vorher reservieren, da die Parkplätze am Start stark begrenzt sind.

Das Tongariro Alpine Crossing ist zwar kein gemütlicher Spaziergang, dafür aber ein Abenteuer, das man als Wanderfan unbedingt mal erlebt haben sollte. Hier triffst du auf eine einmalige Mischung aus sportlicher Herausforderung, spektakulärer Landschaft und dem Gefühl, für ein paar Stunden auf einem anderen Planeten unterwegs zu sein.

Neuseeland Nord

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